Ein buntes Feuerwerk der Töne
Gelungene Auftaktveranstaltung zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde Maisach
Maisach -
Hoffentlich waren keine Berufsmusiker unter den Zuhörern des musikalischen
Auftaktkonzerts zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde Maisach in der
Dreifachturnhalle, sie hätten wohl Selbstzweifel an ihrer
Daseinsberechtigung entwickelt. Denn was die "Laien" von
Akkordeonorchester, Blaskapelle und Gesangverein Maisach an diesem Abend
darboten, hatte höchstes professionelles Niveau. Die Maisacher, die diesen
Abend nicht wahrgenommen haben, haben etwas versäumt.
Gleich zu Beginn bewies die
Blaskapelle dem kommenden Mozartjahr seine Reverenz mit der als Marsch
gesetzten Arie des Figaro: wer sagt da noch, dass Opernmusik langweilig
sein muss. Und die folgende Walzermusik erinnerte an vertraute Klänge der
20er und 30er Jahre.
Wer bist dahin die Füße
noch stillhalten konnte, dem begannen sie spätestens beim Tango des
Akkordeonorchesters unter Leitung seines "Gründervaters" Erich Sokollik zu
zucken: Die hohe Kunst an den Tasten und der argentinische Rhythmus
bewiesen eindrucksvoll, warum das Orchester 2004 Europameister geworden
war.
Mit vier Madrigalen brachte
der Gesangverein etwas ruhigere Weisen in die Halle. Unter der Leitung von
Christian Meister (Bürgermeister Gerhard Landgraf: "Ich beneide ihn, ich
war auch mal so schlank - aber nicht so gut.") sang der Chor äußerst
intonationssicher und gepflegt, selbst verzinkte Synkopen wurden sicher
gemeistert. Schade, dass der Charakter der Beiträge von den kräftigen
Klängen der beiden Orchester in der Erinnerung in den Hintergrund gedrängt
wurde.
Beim folgenden
Tscherkessentanz bewies das Blasorchester seine Fähigkeit auch zu ruhigen,
malerischen Klängen. Klarinetten- und Oboensoli ließen Bilder der
russischen Steppe vor den Zuhörern erscheinen - Reiseerfahrungen ließen
grüßen. Und mit der "Rhapsody in Blue" von George Gershwin zeigte das
Akkordeonorchester die nahe Verbindung von Jazz und Klassik auf.
Im zweiten Teil des von
Steffi Haug und dem Leiter der Blaskapelle, Franz Kellerer, angenehm
zurückhaltend moderierten Konzerts entführte die Blaskapelle nach Amerika:
Ein Potpourri von Sinatramelodien von "New York, New York" bis "I did it
my way" erinnerte wohl viele Maisacher an vertraute Plätze. Doch mit "Lord
of the dance", der Musik der "Dance Company", holte das Akkordeonorchester
die Zuhörer wieder in europäische Gefilde zurück. Und mit dem "Böhmischen
Traum" der Blaskapelle war dann auch wieder der heimatliche Bereich
erreicht, aus dessen Liedgut der Gesangverein den abschließenden Teil des
Konzertes gestaltete. Nur sehr selten ist ein so weicher und gepflegter
Einsatz der Männerstimmen zu Beginn von "Wach auf, mein's Herzens Schöne"
zu hören! Und auch das zum Schluss hinleitende "Kimmt schö hoamli die
Nacht" wird selten so gefühlvoll gesungen.
Doch was wäre ein
Neujahrskonzert - als solches war es ja angekündigt - ohne Zugabe, und die
brachten Blaskapelle und Chor gemeinsam zum Klingen: den Radetzkymarsch.
Der Abend war ein Erlebnis und dazu noch als Dreingabe das Beste: Alles
ohne Verstärkeranlage.
aus: "Fürstenfeldbrucker
Tagblatt" vom 09.01.05.
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